Neurobullshit

“Neurowissenschaftler” wollen zum Tag der Putzfrau im Auftrag der der Firma Kärcher (Reinigungstechnik) festgestellt haben, dass “die Verwendung von Reinigungstechnik im Vergleich zur manuellen Arbeit eine signifikant höhere Anziehungskraft auslöst.” Natürlich kommen auch die Wörter Nucleus Accumbens, Schokolade und Belohnungssystem im Text vor (allerdings kein Sex).An dieser Stelle sollte man vielleicht daran erinnern, dass Hirnforscher auch schon mal einem toten Lachs Bilder gezeigt und signifikante Ergebnisse erzielt haben (http://bit.ly/lachshirn).

Hier gehts zur Pressemitteilung.


Tobias Hürter im Nordwestradio

Was ist Bullshit? Warum hat Wittgenstein die Bullshit-Jagd übertrieben? Wann ist Bullshitten tolerierbar? Wie bullshitten Politiker? Und wie sähe eine Welt ohne Bullshit aus? Darüber sprechen Tobias Nagorny und Tobias Hürter in der Sendung “2 nach 1″ im Nordwestradio. Die Sendung (25 Min.) kann man auf Soundcloud oder im Archiv des Nordwestradios ohne Musik nachhören.

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Bullshit Slam

Bullshit Slam So viel Blödsinn war nie! Unter diesem Motto findet am 17. November der erste Bullshit Slam Deutschlands in Hamburg statt. Autoren, Philosophen, Slammer und Überraschungsgäste werden gegeneinander antreten, um herauszufinden: Wer redet den größten Bullshit von allen? Bullshit ist Gerede, bei dem der Sprecher sich nicht um Wahrheit oder Lüge schert. Hauptsache, er kann die Zuhörer um den Finger wickeln. Die Teilnehmer imitieren das inhaltslose Geschwurbel von Managern, Werbung, Gesundheitsaposteln und anderen – und treiben es auf die Spitze. Sie präsentieren revolutionäre Therapien, neue Führungsmethoden, hohle Managementphrasen, Verschwörungstheorien und bahnbrechende Erfindungen. Jeder hat 10 Minuten Zeit, heiße Luft zu reden, am Ende kürt das Publikum den Meister-Bullshitter. Hier gibt es weitere Infos.

Kulturhaus 73
Schulterblatt 73
20357 Hamburg
Beginn: 20 Uhr

Tickets: 7 Euro. Reservierung hier.


Pseudotherapie oder Psychotherapie?

Unser Artikel über die Familienaufstellung nach Hellinger ist auf Spiegel online erschienen. Interessante Diskussionen dazu im Forum. So geht’s los:

Am Samstag kommt die Monika*. Um kurz nach zehn huscht sie durch den Seminarraum und versprüht Aura-Essenz. Die Teilnehmer ihres Psychokurses haben es sich auf Kissen bequem gemacht. Nur Karsten sitzt auf einem Stuhl, er leidet an Parkinson und braucht Entscheidungshilfe: Soll er sich einen Hirnschrittmacher implantieren lassen, oder doch weiter Medikamente nehmen, um die Symptome zu lindern? Um herauszufinden, was er wirklich will, möchte er gleich seine Familie aufstellen und das Verhältnis zu seinem Nazi-Vater klären. Der ist zwar schon tot, aber dafür sind wir anderen ja hier. Wir sollen seine Angehörigen stellvertretend darstellen … Weiterlesen


Bullshit: Ebola ist eine Biowaffe

Verschwörungstheoretiker sind nicht wahrhaftig, sie sind allenfalls wahrheitig.

Der Artikel der New York Times über Verschwörungstheorien zu Ebola enthält ein paar interessante Gedanken zu Verschwörungstheorien im Allgemeinen:

“Conspiracy theories don’t have to be true to tell us something about ourselves,” said Michael Barkun, a professor emeritus of political science at Syracuse University and the author of “Culture of Conspiracy: Apocalyptic Visions in Contemporary America.” “They’re not effective as accurate accounts — they’re effective as expressions of anxiety.”

The notion, for example, that health officials are conspiring with Big Pharma to consciously spread — and then cure — Ebola as a profit-making venture might sound like the plot to a cheesy summer thriller, but in fact it touches on a genuine aspect of our health care system, said Mark Fenster, a professor at the University of Florida’s Levin College of Law and the author of “Conspiracy Theories: Secrecy and Power in American Culture.”

“The truth is that we do rely on private corporations to develop and produce our pharmaceuticals,” he said. “While we may not like that fact, it’s not so hard or paranoid to imagine private companies acting in their own best interests.”

The theory works, Professor Fenster added, because it is “truthy,” to borrow from the comedian Stephen Colbert. Which is to say, it has just enough veracity “that it rings true when carried to Ebola,” he said.


Ist das Forschung, oder kann das weg?

Unser Artikel aus der ZEIT steht jetzt im Archiv:

Ob Ufologie eine Pseudowissenschaft ist und Chemie eine Wissenschaft, das ist gar nicht so einfach zu sagen VON TOBIAS HÜRTER UND MAX RAUNER

Bevor Tim Hunt und Rupert Sheldrake berühmt wurden, teilten sie sich am College ein Zimmer. Tagsüber hörten sie laut klassische Musik, während sie im Labor das Wachstum von Pflanzenzellen untersuchten. Abends zogen sie durch die Kneipen von Cambridge.

Nach der Promotion trennten sich ihre Wege. Hunt ging nach Amerika, Sheldrake nach Indien. Hunt machte weiter wie zuvor und bekam 2001 für die Erforschung des Zellzyklus den Medizinnobelpreis. Sheldrake machte Experimente zur Gedankenübertragung und schrieb Bücher über das Bewusstsein des Universums. Aus Sicht aufgeklärter Zeitgenossen sind die Rollen klar verteilt: Hunt betreibt Wissenschaft, Sheldrake Pseudowissenschaft. Der eine ist genial, der andere verrückt. Aber ist es wirklich so einfach? Weiterlesen


Was ist “Bullshit”?

Bullshit nennen Philosophen – und auch Laien – grammatisch wohlgeformte Sätze, die zwar an der Oberfläche in Ordnung sind, aber keinen fundierten Gedanken ausdrücken. Der »Bulle« darin komme vom französischen boul für Täuschung, vermuten Sprachforscher. Bullshit ist Gerede, bei dem der Redner sich nicht darum schert, ob es stimmt, was er redet. Im Unterschied zum Lügner versucht der Bullshitter nicht, anderen gezielt eine Unwahrheit einzureden. Wahr oder unwahr, das kümmert ihn nicht. Laut dem amerikanischen Philosophen Harry G. Frankfurt richtet Bullshit noch mehr Schaden an als Lügen. Schon weil es so viel davon gibt. … Im Deutschen ist auch von Firlefanz, Käse, Kokolores, Mist, Bockmist, Quatsch, Scheiße, Schmarrn, Stuss, Unfug, Unsinn die Rede – aber nichts davon trifft die Sache richtig. Am ehesten noch »Humbug«. Im Englischen ist das Wort seit 1751 belegt, um 1835 fand es Eingang ins Deutsche. »Humbug, wie der Engländer sagt«, schrieb Annette von Droste-Hülshoff in einem Brief. In diesem Buch verwenden wir »Humbug« synonym mit »Bullshit« oder »Blödsinn«.
(Auszug aus Schluss mit dem Bullshit)


“Sozialtechnik des Bluffs”

Unser Journalisten-Kollege Thomas Ramge (brandeins) hat eine Parodie auf Wirtschafts-Bullshit geschrieben (“Montags könnt ich kotzen”, rororo). Das Telekom-Magazin schreibt über seinen TEDx-Vortrag in Berlin:

“Für ihn ist Bullshit eine gestelzte Fachsprache, die dem Gegenteil von präziser Beschreibung dient. Ramge bezeichnet sie als “Sozialtechnik des Bluffs”, die für Unternehmen sehr teuer werden kann, weil sie transparente Kommunikation erschwert. Sein Plädoyer: ‘Sag, was ist. Mehr nicht!'”